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Half Dome, Yosemite Nationalpark

Bericht und Fotos von Rainer Beckmann

Half Dome

Valley View

Wer den Yosemite Nationalpark besucht und mehr als einen Tag dort verbringen will, kann den Park auf zahlreichen Wanderwegen näher erkunden. Eine Tour der besonderen Art stellt die Besteigung des Half Dome dar. Mit 2.693 m ist er kein besonders hoher Berg in den Rocky Mountains. Seine außergewöhnliche Form zieht jedoch in jedem Jahr Tausende von Touristen in seinen Bann. Das gilt vor allem deshalb, weil die sonst kaum bezwingbare 'Halbkuppel' in den Sommermonaten durch die Anbringung eines ‚Stahlseilgeländers' (Cables) auch von weniger geübten Bergfreunden bestiegen werden kann. Aufgrund der sehr hohen Besucherzahlen von bis zu 800 Bergsteigern täglich war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Staus und gefährlichen Situationen auf dem letzten Teil der Aufstiegsroute gekommen. Daher ist seit dem Jahr 2010 die Benutzung der Cables vom Erwerb einer besonderen Erlaubnis (Permit) abhängig gemacht worden, die vom National Park Service vergeben wird. Die Permits können frühzeitig im Internet (4 Monate vor dem gewünschten Aufstiegstermin) oder kurzfristig in einer Internet-Lotterie am Vortag erworben werden und kosten nur 3 Dollar. Nähere Einzelheiten für den Erwerb der Permits können auf der Website des NPS in Erfahrung gebracht werden (http://www.nps.gov/yose/planyourvisit/hdpermits.htm).


Half Dome

Glacier Point

Ich hatte das Glück, eine der 50 im Internet verlosten Erlaubnisse zum Aufstieg über die Cables zu ergattern. Der Ausdruck des Permits gestaltete sich schwierig, da unser Motel nicht bereit war, einen USB-Stick mit ihrem System in Kontakt zu bringen (wegen der ‚Ansteckungsgefahr'). Der Herr an der Rezeption verwies auf das Office der Park Ranger im Yosemite Village, die den Ausdruck vornehmen würden. Dort wurde ich jedoch beruhigt: Ich müsse nicht unbedingt die Erlaubnis schriftlich dabei haben (obwohl das mehrfach auf der Webseite des NPS hervorgehoben worden war). Der Ranger am Fuß der Bergkuppe habe eine aktuelle Liste mit den Permits, man müsse nur seine Nummer wissen.

Beruhigt brach ich am nächsten Tag um 6:30 Uhr auf. Der Weg führt vom Parkplatz in der Nähe des Camp Orange über den Mist Trail vorbei am Vernal Fall hoch bis zum Nevada Fall an der Rückseite des Half Dome vorbei und überwindet ca. 1450 Höhenmeter. Aufgrund des perfekten Wetters waren schon viele andere Wanderer unterwegs.


Half Dome

Der Half Dome aus der Ferne

Die Besteigung des Half Dome ist eine anstrengende Tageswanderung von 10 bis 12 Stunden, inklusive kleiner Pausen. Auf der ersten Hälfte des Weges sind natürlich die Wasserfälle besonders interessant. Da der letzte Winter sehr schneereich war, führten die Wasserfälle auch Anfang August noch viel Wasser. Besonders der ‚Mist Trail' trägt seinen Namen zu Recht: die vom Wasser des Vernal Fall herüber gewehte Gischt erzeugt einen ständigen Nebel, der Fotoaufnahmen schwierig macht, aber auch für willkommene Abkühlung sorgt. Zu den höher gelegenen Nevada Falls wandern merklich weniger Besucher. Danach, im ‚Little Yosemite Valley' trifft man nur noch vereinzelt kleine Gruppen, die dem Gipfel des Half Dome zustreben.


Vernal Falls und Nevada Falls

Blick auf die Vernal und Nevada Falls

Kurz vor der Mittagszeit erreichte ich den ‚Vorbuckel' (Subdome) hinter dem Half Dome. Dort kontrollierte - wie angekündigt - eine Rangerin die Permits. Ich hatte natürlich nichts vorzuzeigen und wollte nur meine Nummer angeben. Da stellte sich heraus, dass die Übertragung der Liste über das Mobiltelefon nicht funktioniert hatte, so dass die einzelnen Erlaubnisscheine vorgezeigt werden mussten! Jetzt hatte ich den Salat. Gerade im Gebirge sollte man sich nicht auf die Technik verlassen. Aber ich hatte Glück, dass die Ranger-Woman, lt. badge ‚Miss Westphal', offenbar deutsche Vorfahren hatte und daher überzeugt war, dass ich aus ‚good old Germany' ihr keine Lügenmärchen über mein Permit erzählte. Nach einem kurzen Chat über das lausige ‚government equipment', mit dem sie sich hier in der Wildnis herumschlagen müsse, hatte ich freie Bahn und konnte die vielen Steinstufen auf dem Subdome zum letzten Anstieg in Angriff nehmen.


Half Dome

Steinstufen am Subdome

Nach kurzem Aufstieg steht man dann urplötzlich vor den Cables. Das schockiert dann schon ein wenig, weil es so aussieht, als ginge es jetzt mehr oder weniger senkrecht nach oben. Der erste Schreck verfliegt aber, wenn man sieht, wer alles diese letzten 150 Höhenmeter in Angriff nimmt: nicht nur ernsthaft gekleidete und ausgerüstete Bergsteiger, sondern auch ‚Girlies' im Spaghetti-Top, Shorts und einfachen Turnschuhen, Kinder und schwer keuchende Bierbauchathleten!


Half Dome

The Cables

Entscheidend bei der Benutzung der Cables ist es, nicht irgendwo an den Seilen zu kleben, sondern immer nur auf den hölzernen Querbalken stehen zu bleiben, um die Arme entlasten zu können. Eigentlich könnte man die Stahlseilstrecke in wenigen Minuten überwinden. Da aber die meisten Tageswanderer ungefähr zur gleichen Zeit an den Cables ankommen, entstehen unweigerlich Staus. Ich benötigte etwa 30 Minuten, um den Gipfel zu erreichen. ‚On top' erstreckt sich dann eine große, fast ebene Fläche mit einem fantastischen Rundblick über das Haupttal des Yosemite Parks. Für jeden Besucher ist es ein Muss, sich auf den Felsvorsprung am Rande der Halbkuppel zu stellen, von dem es mehrere hundert Meter senkrecht hinunter geht.


Half Dome

On Top

Nach einer ausführlichen Rast ging es wieder hinunter. Der Blick von oben sieht fast bedrohlicher aus, als der von unten. Aber irgendwie muss man ja absteigen. Wer trittsicher und schwindelfrei ist, kann natürlich nach unten schauend am Stahlseil entlang gehen. Einfacher ist es, wenn man sich rückwärts am Seil hinab hangelt und sich nur ab und zu umdreht. Dann hat man nicht immer 'die Tiefe' vor Augen. Auch auf dem Weg nach unten muss man mit einer halben Stunde Gehzeit rechnen. Ohne die Kabel wäre es für Normalsterbliche definitiv nicht möglich, den Half Dome zu besteigen - auch wenn es ein Spezialist geschafft haben soll, den Gipfel zu bewältigen ohne die Hände zu benutzen.


Half Dome

Cables Look Down

Der Rückweg ist dann nur noch ein - sich hinziehendes - Kinderspiel. Man ist zwar schon ziemlich ausgepowert, aber es geht ja beständig bergab. An den Nevada Falls kann man einen anderen Weg wählen, der etwas länger ist als der Aufstieg, dafür aber eine bessere Sicht auf den Wasserfall und die ihn umgebenden Bergkuppen bietet.


Half Dome

Nevada Fall

One-way beträgt die Wanderung 8.2 Meilen (ungefähr 13 km). Kurz nach 17 Uhr kam ich wieder am Parkplatz an. Das war eine gute Zeit für diese spektakuläre Tour. Wer also einen vollen Tag für eine Wanderung im Yosemite Park zur Verfügung hat und fit genug für eine anstrengende Wanderung ist, sollte sich dieses Highlight nicht entgehen lassen. Für das großartige Erlebnis der Half Dome-Besteigung ist im Sommer keinerlei Bergsteigerausrüstung notwendig. Hauptsache, die Schuhe haben eine gute Gummisohle und der Rucksack ist mit Getränken und einer guten Brotzeit gefüllt.
Rainer Beckmann