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Straßen und Dirt Roads



Death Valley
Straße im Death Valley Nationalpark


Das Straßennetz ist in den USA zwischen den Städten und Hauptsehenswürdigkeiten hervorragend ausgebaut. Hauptverkehrsadern sind die sogenannten Interstates, vergleichbar den europäischen Autobahnen, die alle größeren Städte des Landes miteinander verbinden. Jede Ausfahrt (exit) besitzt eine Nummer, die jeweils die Entfernung in Meilen vom Anfangspunkt der Interstate angibt. Achten Sie bei der Auffahrt auf eine Interstate schon frühzeitig darauf, in welche Himmelsrichtung Sie fahren möchten, denn es werden normalerweise keine Zielorte angegeben (stattdessen beispielsweise I-40 East oder I-40 West).





Kojote
Begegnung mit einem Kojoten im abgelegenen Nordteil des Death Valley


Während man sich mit dem PKW oder Wohnmobil bis auf wenige Ausnahmen auf die geteerten Straßen beschränken muss, hat man mit einem gemieteten SUV (Geländewagen) die Möglichkeit, auf ungeteerten Nebenstrecken in Gebiete vorzudringen, in denen man kaum Menschen begegnet - wilde und ursprüngliche Naturlandschaften, die man im übervölkerten Europa wohl so nicht mehr findet. Bei den Dirt Roads gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. Das Spektrum reicht dabei von relativ einfach zu befahrenden 'graded dirt roads' bis zu schwierigen Tiefsandpisten und holprigen Feldwegen mit tiefen Spurrillen, Schlaglöchen und Steinen. Während man die einfacheren Dirt Roads noch mit PKW und Wohnmobil befahren kann, sollte man sich für die anspruchsvolleren Wege unbedingt einen Geländewagen mieten. Dieser sollte eine gute Bodenfreiheit und einen möglichst kurzen Radstand haben, Allrad sollte nach Bedarf zuschaltbar sein (kein 4WD Atomatic!). Wichtig sind auch möglichst neue Reifen mit gutem Profil, Wagenheber und Werkzeug sowie ein vollwertiges Ersatzrad, das möglichst leicht zugänglich sein sollte (am besten auf der Wagenrückseite).

Wissen sollte man allerdings auch, dass bei Unfällen und Schäden abseits geteerter Straßen für die meisten Mietwagen kein Versicherungsschutz besteht! Im Notfall muss man also die Abschleppkosten bzw. Schäden am Fahrzeug aus eigener Tasche bezahlen. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, kann auch direkt vor Ort richtige Jeeps mieten. Allerdings sind diese nicht überall verfügbar und im Verhältnis zu gemieteten SUV's sehr teuer. Eine weitere Alternative ist die Teilnahme an organisierten Jeeptouren.





Death Valley
Graded Dirt Road


Die meisten Dirt Roads befinden sich auf National Forest oder BLM-Gebiet. Zuständig für die Unterhaltung der Wege und Einfachcampgrounds in diesen Regionen sind demzufolge die Ranger oder Mitarbeiter des National Forest oder des Bureau of Land Management, in deren Büros man sich vor Beginn einer Tour über den aktuellen Straßenzustand erkundigen sollte. So können etwa durch Überschwemmungen oder Erdrutsche Teile der Straßen längere Zeit unpassierbar sein, da der Staat für diese nur wenig besuchten Gebiete kaum finanzielle Mittel zur Unterhaltung bereit stellt. In den Büros und Ranger Stations erhält man auch weiterführendes Infomaterial sowie topographische Landkarten. Da jedoch gutes Kartenmaterial nicht überall vor Ort erhältlich ist, ist es besser, sich die notwendigen Landkarten bereits im Voraus zu besorgen.


Moki Dugway
Mit dem Wohnmobil auf dem ungeteerten Moki Dugway

Eine sehr lohnende Anschaffung für Abstecher abseits der geteerten Wege sind digitale Topomaps (z.B. von National Geographic), die man in allen Großstädten z.B. bei der Outdoor-Kette REI kaufen kann. Mit Hilfe dieser Karten kann man bereits zu Hause die einzelnen Routen planen, als Karten ausdrucken und die GPS-Daten dann auf das GPS-Gerät herunterladen. Ist man in sehr abgelegenen Gebieten unterwegs, sollte man zusätzlich vor Ort mit den Mitarbeitern der National Forest oder BLM Büros über Dauer und Route der geplanten Tour sprechen und vereinbaren, sich nach der Tour wieder telefonisch oder persönlich zu melden, damit diese im Notfall gezielt nach vermissten Fahrzeugen oder Personen suchen können.


Trona Pinnacles
Holprige Lehmpiste im Gebiet der Trona Pinnacles

Ein weiteres Muss ist die Beachtung der aktuellen Wettervorhersage und die ständige Beobachtung der Wetterentwicklung während der Tour. So können beispielsweise starke Winde oder Stürme in sandigen Wüsten- oder Dünengebieten dem Fahrer durch die aufgewirbelten Sandpartikel vollkommen die Sicht nehmen. Diese starken Stürme sind besonders im Sommer sehr häufig und Vorboten der fast jeden Nachmittag auftretenden Thunderstorms (die Amerikaner wissen schon, warum sie diesen Namen gewählt haben). Ist man trotz Wettervorhersage in einen solchen Sandsturm geraten, ist es auf jeden Fall besser, stehenzubleiben und im Fahrzeug abzuwarten, als ohne Sicht weiterzufahren und dadurch von der Piste abzukommen.





Shiprock
Dirt Road in der Nähe des Shiprock


Ebenfalls meiden sollte man ungeteerte Nebenstrecken bei vorausgegangenen oder bevorstehenden Regenfällen, da sich die oft sandigen oder lehmhaltigen Erdpisten dann in tiefe Schlammlöcher verwandeln, in denen man selbst mit Allradantrieb nicht mehr weiterkommt. Ein Problem ist der Regen besonders in den ausgetrockneten Wüstengebieten. Hier kann die durch die Hitze festgebackene Erde die plötzlich herunterstürzenden Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen, so dass im Nu viele kleinere Rinnsale oder Bäche, in schmalen Canyons sogar hohe Sturzfluten entstehen. Ist man trotz Vorsichtsmaßnahmen in einen länger anhaltenden Regenschauer geraten, bleibt oft nur Abwarten, bis die Sturzbäche versiegt sind und die Erde trocken genug ist, um weiterzufahren. Zu den weiteren Vorsichtsmaßnahmen gehören ein voller Benzintank (bei sehr langen Strecken auch ein Reservekanister) sowie ausreichend Lebensmittel und Frischwasser.





Kojote
Mit einem gemieteten Wrangler Jeep kann man auch die schwierigsten Pisten bewältigen


Tipps zur Fahrtechnik
Eine Eigenart der meisten ungeteerten Nebenstrecken sind die waschbrettartigen Querrillen, die sich nach jedem Regenschauer neu bilden und über die gesamte Fahrbahnbreite erstrecken. Je nach Tiefe dieser Rillen und Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird man dabei nicht nur äußerst unangenehm durchgeschüttelt, sondern es kann auch vorkommen, dass das Fahrzeug die notwendige Bodenhaftung verliert und seitlich davonrutscht. Das einzige, was man in diesem Fall tun kann, ist in einen niedrigeren Gang zu schalten, nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell zu fahren und sich auf geraden, ebenen Strecken möglichst rechts am Fahrbahnrand zu halten, da hier die Rillen nicht so ausgeprägt sind. Besonders tief sind die Rillen meist in schräg abfallenden oder ansteigenden Kurven. Hier ist es besser, am oberen Rand der Neigung entlangzufahren, auch wenn sich diese gerade auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet. Die Amerikaner nennen solche Streckenabschnitte übrigens sehr treffend ‚washboarded'.


Toroweap Area
Felsstufen auf dem Weg zur abgelegenen Toroweap Area

Etwas mehr Vorsicht und sicher eine weitaus geringere Fahrgeschwindigkeit erfordern Nebenstrecken mit tiefen Schlaglöchern und/oder vielen großen Steinen. Hier hilft nur Konzentration und ständiger Vorausblick auf die Fahrbahn, um sich rechtzeitig auf jedes Hindernis einstellen zu können. Und denken Sie daran, wie Ihr Fahrzeug gebaut ist. Die kritischsten Stellen sind die, die man während der Fahrt am wenigsten sieht - nämlich der Fahrzeugunterboden und das Heck bzw. die Auspuffanlage. Sanddünengebiete gehören zu den schönsten, aber auch tückischsten Geländestrecken im Südwesten. Abgesehen davon, dass man durch die eigentlichen Dünengebiete nur mit den in den USA weit verbreiteten ATV's oder Dune Buggies fahren darf, trifft man auch bei anderen Nebenstrecken oft auf kleinere oder größere sandige Abschnitte.


Butler Wash
Sandpiste im Butler Wash

Obwohl man hier oft das Gefühl hat, unkontrolliert hin und her zu rutschen, sollte man die Geschwindigkeit nicht allzu sehr verringern, damit die Reifen stets greifen und das Fahrzeug sich vorwärts bewegt. Ganz besonders wichtig ist auch, rechtzeitig vor dem Sand den Allradantrieb zuzuschalten! Eine gute Vorsichtsmaßnahme sind ein paar starke, längere Bretter. Diese dienen im Notfall nicht nur als Ersatz für Sandbleche, sondern eignen sich auch zur Überquerung von tief eingeschnittenen washes (so nennen die Amerikaner ausgetrocknete Wasserläufe, die von den Sturzfluten nach Regenfällen ausgeschwemmt werden).


Zufah
Hier hilft nur noch eines - umkehren...


Abschließend noch ein Wort über den Staub als unvermeidlichen Begleiter jeder Dirt Road. Schließen Sie während der Fahrt alle Fenster und stellen Sie bei entgegenkommenden Fahrzeugen auch das Gebläse ab - der feine Sand dringt nämlich durch die feinsten Ritzen und das merkt man leider meist erst dann, wenn die Tour zu Ende ist.



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