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Crack Canyon

Das folgende Erlebnis im August 2006 war für mich der entscheidende Auslöser, mir ein GPS Gerät zu kaufen. Bis dahin hatte ich mich bei meinen Wildniswanderungen im Südwesten der USA immer auf meinen recht guten Orientierungssinn verlassen. Ein Fehler, der mich an diesem Tag fast das Leben gekostet hätte.


Gerade fängt es an, hell zu werden, als ich schon das Zelt abbaue. Jetzt im Hochsommer muss man schnell sein, die kurze Zeit nutzen, bevor die Sonne so heiß vom Himmel brennt, dass man nichts mehr unternehmen kann. Schnell noch ein Frühstück, dann den kleinen Tagesrucksack packen, die Karten und Wegbeschreibungen bereitlegen, alle Wasserkanister auffüllen, und schon bin ich unterwegs. Eigentlich wollte ich ja noch dem freundlichen Ranger hier im Goblin Valley auf Wiedersehen sagen und Bescheid geben, dass ich heute zum Crack Canyon will, aber dann finde ich nur einen kleinen Notizzettel am Fenster ‚I'm out on tour. Please choose a site and come back later'. Na denn, goodbye Goblin Valley. Vielleicht komme ich ja irgendwann wieder.


Behind-the-Reef Road

Die ungeteerte Behind-the-Reef Road

Beim Goblin Valley Turnoff folge ich der Dirt Road nach links, Richtung Temple Mountain, später der noch etwas schmaleren Behind-the-Reef Road, die sich wie eine Klapperschlange Meile um Meile an der endlos erscheinenden Felsmauer des San Rafael Reef entlangschlängelt. Knapp viereinhalb Meilen weiter sehe ich auf der linken Seite ein paar Jeepspuren. Hier muss der Trailhead sein. Ich parke das Auto direkt am Straßenrand. Die zusätzlichen paar hundert Meter dem Jeeptrail entlang bis zu der unpassierbaren Stelle an den Felsen kann ich auch laufen.


San Rafael Reef

Unterwegs im San Rafael Reef

Die Augen auf die vor mir liegende Felsenbastion fixiert, mache ich mich mit der Wegbeschreibung in der Hand auf den Weg. Meine ganze Aufmerksamkeit ist darauf gerichtet, in dieser überall gleich aussehenden vor- und zurückweichenden Felswand den Eingang zum Crack Canyon zu finden. Rasch überquere ich das mit winzigen Wacholderbüschen, Sagebrush und Kakteengestrüpp bewachsene Gelände, über Felsplatten und dann hinunter weiter Richtung Felswand, immer den tief eingegrabenen und ausgetrockneten Washes folgend. Kleine Steinhäufchen als Wegmarkierung gibt es hier nur selten, aber das macht nichts, denn jetzt habe ich in der Ferne endlich die Felsöffnung entdeckt, nach der ich schon die ganze Zeit suche. Das muss er sein. Der Eingang zum Crack Canyon.


Crack Canyon

Gewaltige Felsmauern bilden das Eingangstor zum Crack Canyon

Wie gewaltig diese Felsmauern sind, wird mir erst bewusst, als ich direkt davorstehe. Riesig hoch, wie ein gewaltiges Tor, ragen die Felsen rechts und links in den Himmel empor. Was sich wohl dahinter verbirgt? Langsam schreite ich weiter, fasziniert von all den riesigen Löchern in der Wand, denen der Crack Canyon seinen Namen verdankt. Dann ein erstes Hindernis, ein Felsabsturz. In meiner Fantasie stelle ich mir vor, wie hier bei einer Flash-Flood die Wassermassen durch die Schlucht tosen und als Wasserfall über diese Felskante donnern. Schade, dass man sich das nicht irgendwie anschauen kann. Das wäre bestimmt ein wahnsinnig beeindruckendes Erlebnis.


Crack Canyon

Ausgetrockneter Wash im Crack Canyon

Im Moment ist allerdings alles hier ausgetrocknet. Im Nu bin ich über die Felskante hinuntergeklettert, dann wartet schon das nächste Highlight - ein riesiger halb offener Tunnel, in den gerade die ersten Sonnenstrahlen einfallen, bizarr eingerahmt von gezackten, überhängenden Felsplatten. Was für ein Licht! Was für eine fantastische und theatralische Kulisse für Fotoaufnahmen. Wie von Zauberhand berührt und zum Leben erweckt, erstrahlen plötzlich alle Felsen in leuchtendem Rot, einem kräftigen, tiefen Rot, wie in feurige Flammen getaucht. Und schon habe ich auch einen passenden Namen für diesen Ort - Firehole Tunnel.

Crack Canyon

Crack Canyon - Firehole Tunnel

Weiter geht es durch diese Röhre hindurch. Die Felswände weichen nun zurück, schwingen sich in weitem Bogen vom sandigen Bachbett hinauf zum Himmel. Auch hier treffen jetzt die ersten Sonnenstrahlen auf die Felsen. Auch hier der gleiche Farbenzauber, doch diesmal in Gold. Grauer Fels, der sich von der Sonne berührt, in Gold verwandelt, für wenige Minuten nur, aber gerade deswegen ein unvergessliches Schauspiel. Akt zwei der Theateraufführung hier im Crack Canyon.


Crack Canyon

Gold leuchtende Felswände im Crack Canyon

Noch ganz verzaubert von dieser Stimmung gehe ich noch weiter bis zu einem etwa drei Meter tiefen Felsabsturz. Nach einem prüfenden Blick hinunter und einem letzten Foto in die daran anschließenden Narrows beschließe ich, meine Wanderung an dieser Stelle zu beenden. Hinunter kommen würde ich schon, nur hinauf nicht mehr, denn der Fels ist abgeschliffen und glattpoliert wie eine Rutschbahn. Also gut. Dann gehe ich eben wieder zurück.


Crack Canyon

Diesen tiefen Felslöchern verdankt der Crack Canyon seinen Namen

Mittlerweile ist es auch schon später Vormittag. Erst jetzt, als die Sonne direkt in den Canyon scheint, merke ich, wie heiß es ist. Schatten gibt es jetzt auch keinen mehr. Also nichts wie zurück! Am Canyonausgang angelangt, schaue ich mir noch kurz einen verdrehten Baumstamm an der Wilderness Boundary an und folge dann meinen eigenen Fußspuren zurück durch den Wash.

Gedankenverloren und etwas hastig laufe ich zurück, nichts wie weg hier aus dieser offenen, ausgetrockneten Wüstenlandschaft. Doch plötzlich bleibe ich stehen. Irgendetwas stimmt nicht. Das ist nicht der Weg, auf dem ich gekommen bin. Ich schaue zurück, nach links, geradeaus. Wahrscheinlich habe ich hier auf diesen Felsplatten die falsche Abzweigung genommen. Also wieder zurück. Leider sieht man auf den Felsen keine Fußspuren, und Steinmännchen kann ich auch keine finden. Na, dann eben nicht. Vielleicht ist es dieser Wash hier auf der anderen Seite. So ungefähr weiß ich ja die Richtung. Ich muss nur in einem großen Bogen vom Reef weg und dann irgendwie nach links zurück zur Straße. Wahrscheinlich treffe ich dann irgendwann auch wieder den Weg.

Während ich weitergehe, streift mein Blick über die vor mir liegende Wüstenlandschaft. Erst jetzt fällt mir auf, wie eintönig und unübersichtlich das Gelände ist. Kein einziger markanter Wegpunkt. Nur dieses Gewirr aus Hügeln und tief eingeschnittenen Washes. Nicht ein Wash, sondern Hunderte von Washes, ein ganzes Netzwerk, das sich ständig verzweigt und in alle möglichen Richtungen führt, nur nicht zurück zur Straße.


Crack Canyon

Vielleicht sollte ich versuchen, wieder die Fußspuren zu finden, den Weg, den ich heute morgen gegangen bin. Also zurück, zurück, und dann nochmal zurück. Hier sind Fußspuren. Sie führen nach links. Aber sind das jetzt die Fußspuren von heute morgen, oder ist das vielleicht einer der falschen Wege, die ich gerade vor ein paar Minuten gegangen bin? Ich schaue mich um, versuche, herauszufinden, wo ich bin. Aber jetzt, in der flirrenden Mittagshitze sieht alles so ganz anders aus als am Morgen. Und die Straße? Sie kann doch nicht so weit weg von den Felsen sein. Oder doch? Vielleicht bin ich ja auch schon viel zu weit nördlich.

Auf einmal taucht so etwas wie Angst in mir auf. Das hier ist kein kurzer Hike mehr, kein einfacher Trip in den Canyon und zurück. Ich weiß tatsächlich nicht mehr, wo ich bin und wie ich hier wieder herauskommen soll. Außerdem ist es fast schon Mittag, die Sonne brennt jetzt gnadenlos vom Himmel. Kein Schatten weit und breit. Und Wasser habe ich auch nicht mehr viel. Wenn ich weiter so herumrenne, reicht es höchstens noch ein paar Stunden. Und dann? Jetzt im August kommt so gut wie niemand in diese Gegend, und wenn, dann ins Goblin Valley, aber nicht hierher, in die abgelegene Crack Canyon Wilderness. Kein Mensch weiß, wo ich bin. Niemand. Nicht einmal der Ranger. Ich muss hier raus. Irgendwas muss ich mir einfallen lassen, um hier wieder herauszufinden. Und zwar schnell.

Wahrscheinlich ist die Lösung, nicht mehr diesen tiefen Washes zu folgen, die mich doch immer wieder nur in die Irre führen. Ich muss so weit wie möglich nach oben, auf einen dieser Felsenhügel, um einen Überblick über das Gelände zu bekommen.Vielleicht sehe ich von dort oben die Straße. Und wenn ich die Straße gefunden habe, finde ich auch irgendwann mein Auto. Über Sand, loses Geröll und Kakteengestrüpp stapfe ich die nächste Mesa hinauf. Oben angekommen gleitet mein Blick langsam über das Gelände. Aber es ist nichts zu sehen. Absolut nichts, kein Weg, keine Straße. Also wieder hinunter und den nächsten Berg hinauf, einen der höher ist, damit der Blick weiter reicht. Und dann plötzlich sehe ich sie, die Straße, oder besser gesagt, einen winzigen schmalen rotbraunen Feldweg, der sich weit entfernt um die Hügel windet. Was für eine Erleichterung! Jetzt weiß ich zumindest, in welche Richtung ich gehen muss.

Ohne mich um irgendwelche Hindernisse oder Washes mehr zu kümmern, laufe ich jetzt bergab und dann querfeldein in die Richtung, die ich mir von oben eingeprägt habe. Nach einer halben Stunde habe ich endlich die Straße erreicht. Aber hier stellt sich gleich die nächste Frage. In welche Richtung soll ich gehen? Nach links oder nach rechts? Mein Auto habe ich ja von oben noch nicht entdeckt. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich, der Straße nach links zu folgen. Sicher bin ich mir nicht, aber ich kann ja ungefähr eine Stunde in diese Richtung laufen. Wenn ich mein Auto dann noch nicht gefunden habe, werde ich irgendwo unter einem der kleinen Wacholderbüsche Schatten suchen und warten, bis es dunkel wird. Am nächsten Morgen, wenn es noch kühl ist, werde ich es dann in die andere Richtung probieren. Einfach um bei dieser wahnsinnigen Hitze Kraft und Wasser zu sparen.

Kurve um Kurve gehe ich die Straße entlang. Eine Meile, zwei. Und dann plötzlich, hinter einer Biegung, sehe ich vor mir ein silberglänzendes Fahrzeug am Straßenrand geparkt.


Behind-the-Reef Road

Ich habe es geschafft. Ich bin hier raus. Wieder zurück. Zurück an meinem Fahrzeug. Fast zwei Stunden habe ich verzweifelt danach gesucht, und da steht es vor mir. Was für ein wunderbares Gefühl, was für eine unglaubliche Erleichterung. Erst jetzt habe ich wieder die Gelassenheit, stehen zu bleiben und ein Foto zu machen.

Ich öffne den Kofferraum, setze mich auf die Pritsche in den Schatten und verspeise nacheinander zwei große, saftige Pfirsiche. Das hier ist mein Zuhause, ‚my rolling home', hier ist alles, was ich brauche, Wasser, Lebensmittel und vor allem ein bisschen Schatten. Erschöpft lasse ich mich dann auf den Fahrersitz fallen und beschließe, ab sofort nie mehr in einer Senke zu parken und mir endlich ein GPS-Gerät zu kaufen - just in case...







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